Die Ukraine,ich und ihr Euro-Maday…

Das Titelbild enstammt einem russische Karrikatur-Comicclip über wahln in der Ukraine in ist schon ein paar Jährchen alt.^^

Meine ersten Kontakte zu etwas „ukrainischem“ waren Beschrifriftungen im „Russischen Laden“ (Noch Jahre vor den ersten Franchise-Mix Märkten waren das private „Tante Emma“-Lagerlkammern in denen ich mich immer wie auf einem Kurzurlaub in Russland fühlte). All die typisch-russischen Produkte waren in Körbchen (Konfekt;Vogelmilch), Truhen (Pilmeni und Sahneeis in wabbeligen Waffelbechern; Plombir, Crème brûlée meine Lieblingsgeschmacksrichtungen), Regale (Eingelgtes Gemüse, Konserven mit Fisch und Milchmädechen), Frischtheken…

Wenn ich mir was aussuchen durfte, hinterfragte meine Mutter ,zu meinem Ärger, jedes Mal meine Wahl.
,,Die hier…sind nicht russisch, sondern aus der Pribaltik (gemeint waren die baltischen Länder), diese ponische Vogelmilch auch nicht…“
Ich merkte aber auch, dass es etwas anderes war, wenn es ukrainische Produkte waren. Es war ihr zwar eigentlich wichtig, dass die Pralinen vom „Roten Oktober“ hergestellt worden waren, was ihrer Meinung nach von Qualität zeugen sollte, aber bei der Ukraine war das mit dem „nicht russisch“ schon eine andere Sache. Ich erfuhr, dass das wohl früher irgendwie alles „russisch“ gewesen war und alle friedlich zusammen gelebt haben und man überall Russisch sprach. Zumindest war sich meine Mutter immer sehr sicher, dass es friedlich war.

Nachdem ich erfuhr, dass in den  nun unabhängigen Republiken  die Menschen Russisch gelernt und gesprochen haben ,,…und jede Republik noch ihre eigene Sprache hatte“, klang das für mich nicht sofort so beengend, wie ich es jetzt empfinde.
Ich fragte meine Mutter, welche Sprachen man dann in Russland noch zusätzlich lernte oder ,ob man sich vielleicht eine der größeren Nachbarländer hat aussuschen können. Sie reagierte auf diese kindliche Selbstverständlichkeit mit einem milden Lachen, dass mir Unverständnis signalisieren sollte. Nur Deutsch habe sie lernen müssen, sonst nichts weiter.
DAS wiederrum fand ich dann gemein…dass die russischen Schüler ein Fach weniger und somit keinen gleichen Lernaufwand wie ihre Gleichaltrigen in den Nachbarländern gehabt müssen. Welchen Repressalien die regionalen Sprachen ausgesetzt waren, das sagten mir meine Eltern nicht. Im Falle meiner Mutter bin ich mir nicht einmal sicher, ob ihr das überhaupt bewusst war. Sehr wohl machte das aber Sinn für mich, dass jedes Land eine Sprache hat und Menschen diese Sprache auch sprechen wollen/dürfen sollen/können.
Mein Interesse an Zeitgeschichte und Politik des 20. Jahrhuinderts formte sich nicht als abstrakte Wissenskategorie aus Büchern heraus, sondern direkt nachdem wir nach Deutschland kamen und ich mich sofort mit Fragen nach meiner Identität und den Dingen in der Welt, die darauf Einfluss nehmen, konfroniert sah. Zum Leidwesen der Eltern meiner Grundschulklassenkameraden verwickelte ich diese auf Ausflügen immer mal wieder in Gespräche. Nicht etwa, weil ich zu Hause zu weing Aufmerksamkeit bekam, sondern wahrscheinlich, weil ich mir von denen ,die hier schon heimisch waren, Informationen/ Antworten über die Welt erhoffte in der ich großwerden sollte.

Ukrainisch kannte ich aber nicht nur als die Sprache mit den kyrillischen Buchstaben und dem deutschen i, sondern auch von den Volksmussik-Kasetten, die ich aus freien Stücken hör(t)e (gut heutzutage auch als MP3 😉 Eine lustige Sprache mit vielen O’s und niedlichen Deminutiven, wie es mir früher vorkam. Ich entwickelte also sowohl Verständnis dafür, dass in der Ukraine eine andere Sprache gesprochen wurde, aber auch eine Art undefinierbares Zusammengehörigkeitsgefühl für das ich mich nicht verantwortlich fühlte.

Geografisch so richtig eingeordnet habe ich die Ukraine und ihre Diglossie erst sehr spät, als 2004 auf allen Nachrichtenkanälen von der Orangenen Revolution berichtet wurde und eine charismatische Dame mit blondem Zopfring auf dem Kopf und majästetisch inszenierter Bekleidung die Bühne betrat. Wieder hatte ich Verständnis für den europäische Annäherung (schließlich fühlte ich mich doch glücklich damit Europäerin zu sein?) Wut kochte in mir auf, als ich von den Ukrainisierungs -Maßnahmen hörte, die vor allem die russische& russischsprachige Bevölkerung im Osten des Landes hart trafen.
Negativ fiel auch der Streit um die Gasgeschäfte auf. Jemand der Putin die Freundschaft kündigt, darf  nicht davon ausgehen, dass er weiterhin Gas zum Speizalpreise erhält, wie das belorussische Schoßhündchen und Diktator Lukaschenka.Wenn einer die Rechnung nicht zahlen kann, wird auch niemand Milde walten lassen. Das Gas wurde zum 1. Januar abgedreht. Nach zähen Verhandlungen und dem Vorfwurf (u.A. nach Deutschland führende Transferleitung angezapft zu haben) lenkte Timoschenko ein und beide beteiligten Gaskonzerne vereinbaren einen viel zu teuren Preis. Für den Timoschenko dann nach der Wahl Janukowitschs ins Gefängnis wandert. Die EM wird von ihrem Rückenleiden und den Haftbedingungen überschattet. Die Bemühungen um die Austragungen wurden zu ihrer Amtszeit betrieben und sollten den Wunsch nach „Eurointegration“ symbolisieren. Auch die politische Seite des Ganzen- das Assozierungsabkommen, stand wohl eher auf ihrer Wunschliste.
Als nun Janukowitsch zusätzlich zu den Maßnahmen gegen Timoschenko und die Opposition (wobei er Luzenko nach Hepatitisansteckung etc „begnadigte“) sich dazu entschloss ausgerechnet „auf Empfehlung Russlands“ hin das abkommen nicht zu unterzeichnen, brachte das das Fass zu Überlaufen und der Maidan (der Unabhängigkeitsplatz im Zentrum Kievs) füllte sich für die Eurointegration und wuchs zu einer Bewegung gegen Janukowitsch und seinen gesamten herrschenden Donzker/Donbass-Clan heran. zwischenzeitlich war nicht nur der Platz und die Nachbarstraße Kreschatnik von Demonstranten in ein Camp umfunktioniert worden, sondern auch das Haus der Gewerkschaften als Koordinationszentrum und Pressekonferenzort des Oppositionsbündnisses aus Timoschenkos Batkivshina, Klitschkos  Udar und der nationalistischen antisemitischen Partei Swoboda. Nach dem verschiedene besetzte Administrationsgebäude, Teillager und die Batkivshina-Zentrale geräumt wurden, spitzte sich in der Nacht die Lage zu. Die Polizei wurde verstärkt, ein Räumungsbefehl verlesen( 757), Barikaden wurden abgeräumt, die Bühne steht noch,die Menschen verständigen sich wie auch die Wochen vorher über den Hashtag #Euromaidan und versuchen zur Unterstützung der Demonstranten vor Ort Fahrgemeinschaften zum Maidan zu bilden mit #gettomaidan.
Es werden vermehrt Fotos von brennenden Zelten und dampfenden Tonnen verschickt (ex-Feuerstellen zum Aufwärmen).
Immer wieder liest man auch englischsprachige Appelle zur Unterstützung, zum Sperren von Konten von Janukowitsch und seinen Freunden/Oligarchen .
Zu eben diesen interessant: http://www.tagesschau.de/ausland/ukraine-oligarchentum100.html

In diesem Augenblick scheit die Berichterstattung der Tagesschau im Tv und Netz den Infos des ZDF vorraus zu sein. Falls ihr nacher in der Mediathek suchen wollt um 6:35 gab es eine Schalte von Moma und Anne Gelinek, vlt steht das später drin.
Interessantes Informationsmedium von Ukrainischer Seite ist immer die Onlinezeitung Ukrainskaja Pravda (Ukrainische Wahrheit), die passend zum Ausgangsthema der Proteste ihr Logo modifiziert hat und sich jetzt jetzt temporär „Europäische Wahrheit bezeichnet. Es gibt einen Liveticker und auf den Bildern kann man sehr gut erkennenwie sich die Leute gegen die Polizisten drücken müssen. http://www.pravda.com.ua/rus/articles/2013/12/11/7005267/

Übersetzung einiger ausgewählter Meldungen:

Sturm auf die Barrikaden: 11. Dez- Schande
01:02 Die Berkut (Spezialeinheit der Polizei) fängt an Barrikaden auf der Institutskaja Stzraße zu zerstören berichten Augenzeugen.
Riesige Anzahl von Berkut bewegt  sich vom Operntheater in Richtung Stadtrat. die Menschen singen die Hymne, schreien Miliz-mitdem Volk und zusammen und bis zum ende. Ausserdem werfen die versammelten mit schnee und begießen die Polizisten mit Wasser.

5:08
Iryna Gerashchenko:
,,Mitglieder der  ПР (Partei der Regionen)
Schläft ihr? Oder schaut ihr im Fernsehen die wilden Tänze der Berkut? Seid ihr noch in Eurer Partei? Das wart ihr, die dieses Monster erschaffen haben. Vor einer Woche hattet ihr die Chance ihn zu, ihn friedlich zurücktreten zu lassen und die Erwartungen und Forderungen der Gesellschaft. Heute seid ihr alle verflucht von Ukrainern, weil ihr Blut an euren Händen habt.“

5:12
Volodymyr Ariev:
,,Haben eine Gruppe von Provokateuren abgewehrt, die zum Euromaidan gingen. Mit Armierung und Hakenkreuzen auf den Helmen und Gasflaschen.  Wir sind aufmerksam/Beobachten die Lage.“

6:19 Der Platz skandiert, wendet sich an an die Polizeikräfte: ,,Gib deine Waffe ab und stell dich daneben!“

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