nachgestolpert.

In meinen beiden Heimat*ländern haben wunderbare Menschen jüdischer Abstammung gewirkt, Musik geschrieben, geforscht-entwickelnd erfunden, sich sonst irgendwie verdient gemacht…aber sind auch ganz normale Bürger von nebenan, gute Freunde und Kollegen gewesen.
Daher hat es mich nie kalt gelassen,  ich erfuhr auf welche brutale und widerwertige Art und Weise Menschen beileidigt, verhöhnt, erniedringt, bedrängt, zu Emmigration gezwungen, um den Besitz /reelle Chancen beruflich tätig zu werden/bleiben gebracht, in den Tod getrieben, in Lager verschleppt, zu unmenschlichen Bedingungen untergebegracht, zu Zwangsarbeit gezwungen, ermordet und verscharrt wurden. Diesen makaber anmutenden Schlußstrich ziehen zu wollen habe ich schlichtweg nie verstanden. Wo denn?

Als Alina Treiger ordiniert wurde (und ich sie nur von den Interviews im Morgen- &Mittagsmagazin des ZDFs kannte) war ich froh, dass jemand dem jüdischen Wunsch nach einer zukunftsgerichteteten positiven Normalität eine Stimme gibt, da ich das gut nachvollziehen kann. Jüdische Gemeinden können sich nämlich dem interreligiösen Dialog öffnen, informieren.
Aber Antisemitismus müssen wir verhindern und bekämpfen.
Ich war auch mit unserem „Bundespräsent Wulf“ einverstanden,als er sagte:

,,Ich freue mich sehr darüber, dass wir in diesem Jahr ein besonderes Jubiläum feiern: 200 Jahre liberales Judentum in Deutschland. […] das jüdische Leben aller Richtungen, in seiner ganzen Vielfalt, von orthodox bis liberal -in unserem Land wieder Wurzeln geschlagen hat.“

Leider muss jedoch jede jüdische Gemeine in Deutschland mit Videokameras und Türschleusen geschützt werden, die Straße „Hohe Weide“ endet aus Sicherheitsgründen in einer Sackgasse und in der Nähe von Joseph-Carlebach-Schule und -Platz steht ein Polizeicontainer.
Von den 6000 Tausen Menschen,die in einer „nichtrepräsentativen“ Umfrage Auskunft erteilt haben, nehmen auch viele in Deutschland lebende Juden einen wachsenden Antisemitismus war.
Besonders bedrückend ist für mich, wenn ich in den Onlinezeitungen das Wort „fürchten“ lese….dann will ich mich wie ein trotziges Kind in den Weg stellen und sagen ,,Nein! Ich möchte das nicht, dass sich hier jemand noch einmal fürchten muss.“
Nachzulesen hier: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/antisemitismus-studie-untersucht-erfahrungen-europaeischer-juden-a-932433.html

Das macht mich aber auch nachdenklich und fragt bei mir an, ob ich nicht nur intensiver auf der ehrenamtlichen Ebene dem entgegen wirken muss, sondern mein Platz auch beruflich vielleicht in der Bekämpfung von Antisemtismus im Speziellen und Rassismus im Allgemeinen liegt?

Stolpersteine sind schwieriger zu begründen, anzubringen, zu reinigen, als Wandgedenktafeln sind…meinen viele. Doch ist es es nicht auch ein gutes Bild dafür, wie es um das gesellschaftlichen Engagement für das „Nie wieder!“ steht? Wie bei Stolpersteinen ist es auch bei der Antisemitismusbekämpfung nicht mit dem bloßen Äussern getan: Es muss immer wieder erklärt werden, die verblassende Erinnerung für heutige Zielgruppen sichtbar gemacht werden. Wie bei’m halbjährlichen Putzen der Stolpersteine, muss auch das öffentliche Gedankengut vom Dreck der Vorurteile und Möchtegernwahrheiten befreit werden, welcher sich immer wieder ausdauernd versucht in unseren Köpfen abzuegen

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